Dr. Christoph Saulder, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik München
Wie groß ist das Universum? Wie hat es sich seit dem Urknall entwickelt – und welche Kräfte bestimmen seine Entwicklung? Die Antworten auf diese Fragen haben sich in den vergangenen gut 100 Jahren grundlegend verändert. Immer neue Beobachtungen haben frühere Vorstellungen infrage gestellt, Missverständnisse ausgeräumt und dazu beigetragen, bestehende Theorien weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Beim Heimspiel Wissenschaft nimmt der Astronom und Physiker Dr. Christoph Saulder vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik sein Publikum mit auf eine Reise durch die Geschichte der Kosmologie – also der Erforschung des Universums als Ganzes – und verbindet sie mit Einblicken in die aktuelle astronomische Forschung. Dabei zeigt er auch, wie Wissenschaft funktioniert: Neue Daten können bestehende Annahmen bestätigen, aber ebenso dazu führen, dass vermeintlich sicheres Wissen korrigiert und weiterentwickelt werden muss.
Ein besonderer Fokus liegt auf zwei der großen offenen Fragen der modernen Kosmologie: Dunkler Materie und Dunkler Energie. Welche Rolle spielen sie bei der Entwicklung des Universums seit dem Urknall? Und was können neue Beobachtungen darüber verraten?
Saulder ist unter anderem am Forschungsprojekt DESI beteiligt. Mit einem Vier-Meter-Teleskop wird dabei über acht Jahre hinweg fast die Hälfte des Himmels systematisch beobachtet. Millionen weit entfernter Galaxien und anderer Himmelsobjekte werden vermessen, um die Entwicklung und Struktur des Universums besser zu verstehen. Die bisherigen Daten liefern erste Hinweise darauf, dass sich die Dunkle Energie mit der Zeit verändern könnte – und damit möglicherweise erneut unser Verständnis der physikalischen Grundgesetze des Universums erweitert werden muss.
Für Christoph Saulder ist das Heimspiel zugleich eine Rückkehr in die alte Heimat. Geboren wurde er in Wels, mit elf Jahren zog er nach Sattledt, woher auch seine Großeltern stammen und wo er bereits als Kind viel Zeit verbracht hatte. Seine prägenden Jahre verbrachte er dort, bevor er zum Studium der Astronomie und Physik nach Wien zog.
Während seiner Promotion forschte Saulder zwei Jahre in Santiago de Chile und ein Jahr in München. Anschließend arbeitete er fünf Jahre in Südkorea, in Seoul und Daejeon. Vor gut drei Jahren zog er nach München, um am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik zu forschen – und damit wieder deutlich näher an Sattledt zu leben.
Heute arbeitet er an zwei astronomischen Großprojekten: dem Weltraumteleskop Euclid und der DESI-Himmelsdurchmusterung. Beim Heimspiel erzählt er davon, wie sich unser Bild vom Universum verändert hat, welche Fragen Forschende heute beschäftigen – und warum gerade die Fähigkeit, frühere Annahmen zu korrigieren, ein wesentlicher Teil wissenschaftlichen Fortschritts ist.





